Der Jakobsweg – Eine Reise ins Ich. (Teil 2)

wir zählen das jahr 1970. die moskauer und warschauer verträge werden unterzeichnet. es kommt zum kniefall von willi brandt in warschau. die beliebtesten vornamen sind nicole, claudia, michael und thomas. eine volkszählung ermittelt 60,6 mio bundesbürger. der erste rettungshubschrauber christoph 1 wird in dienst gestellt und exportwaren der ddr erhalten das gütesiegel “made in gdr”. jimi hendrix und janis joplin sterben, die beatles trennen sich und ein liter normalbenzin kostet noch 56 pfennig.

da machen sich 68 menschen auf, einen der offiziellen pilgerwege zu gehen, die alle in santiago de compostela enden. seit general franco 1937 das fest des heiligen jakobus zum nationalfeiertag erhoben hatte und damit eine instrumentalisierung des heiligen für seine zwecke eingeführt hat, brauchte es einige jahrzehnte, bis menschen den ursprünglichen sinn einer pilgerreise wieder entdeckten.

aber die zahl der mutigen, die sich auf einen inneren und äußeren weg von mehr als 800 und 900 kilometern machten blieb klein. auch der besuch johannes paul ii im jahre 1982 ließ die pilgerzahl nur auf 1868 hochschnellen. und danach ging sie wieder auf “normalzahlen” zurück. aber mit dem besuch des heiligen compostelanischen jahr war ein same gelegt, der sich dann 1989 in der rekordzahl von 5.760 pilgern niederschlug. 1993 waren es dann schon 99.436 und 1999 zogen 154.613. vorläufiger höhepunkt ist das jahr 2010 mit 272.135.

was hat dazu geführt und woher weiß man die zahlen so genau? ein spanischer priester schrieb im jahre 1980 seine doktorarbeit über die historie der jakobswege und begann, im norden spaniens den ursprungsweg aus frankreich mit einer muschel und gelben pfeilen zu kennzeichnen. die gefahr, sich zu verlaufen und unter die räuber zu fallen war damit geringer. jahre später erfuhren die wege eine kulturhistorische aufwertung, als sie in den rang einer europäischen kulturstrasse erhoben wurden. 1993 erfolgte die ernennung zum weltkulturerbe der unesco. dem notwendigen boom stand nun nichts mehr im wege.

für das genaue führen der pilgerzahlen sorgen sogenannte jakobsbruderschaften, die sich um die pilger, die beherbungsbetriebe und die wege kümmern. und mit der einführung eines pilgerpasses, in den der pilgerweg per stempel dokumentiert wird, wurden die pilger auch genau zahlenmäßig erfasst. am ende des weges muss dieser pass im pilgerbüro vorgelegt werden, um die offizielle pilgerbestätigung, eine urkunde, die compostela, zu bekommen. in spanien und frankreich wird diese urkunde immer öfter bei bewerbungsunterlagen mit beigefügt. und immer mehr spitzenunternehmen bewerten diese leistung positiv.

was aber genau im pilger geschieht, welche glücksgefühle sich breit machen und welche motive zur pilgerreise führen, steht im nächsten blogartikel. ich habe einen leibhaftigen deutschen pilger interviewt. seid gespannt!

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