Halbfinale und Frauen – geht das zusammen?

es sind nur noch 8 stunden bis zum halfinale deutschland gegen italien. das das kein spiel wie jedes andere ist, beweist ein blick in die statistik beider teams. deutschland hat bisher jedes spiel in einem entscheidenden turnier verloren. italien ist so etwas wie ein angstgegner. ein karl-heinz schnellinger oder andy möller (“mailand oder madrid, hauptsache italien”) haben daran in der vergangenheit auch nichts geändert.

aber heute muss sich das blatt wenden. wenn ich doch nur ruhe hätte, mich darauf vorzubereiten. aber da kommen immer häufiger fragen an mich gerichtet, die nichts mehr fussball zu tun haben. und sie nerven. “schau mal die schönen bunten trikots der portugiesen, wie die wohl immer so sauber gewaschen werden?” “und der spieler hat aber ein ausnahmslos gutes six-pack, ist das eigentlich schwer zu bekommen? und warum hat er es und nicht du?” “und dieser spieler ist 1,84m groß, hat braune augen und einen sohn – die mutter ist unbekannt.” “und wie geht noch mal abseits?” abseits geht nicht – abseits ist!!!!!

sie haben einfach keine ahnung, unsere frauen. und ihnen das wesen des spiels zu erklären würde mehr zeit kosten, als ich für meine eigene vorbereitung zur verfügung habe. es ist doch schon komisch, dass ich meine vorüberlegungen fürs spiel unterbrechen soll, nur um den spülkram zu erledigen und den müll runter zu tragen. und die kommentare während des spiels: “warum regst du dich so auf, es ist doch nur ein spiel!” zeugen davon, dass sie sich mit der materie noch nicht richtig auseinander gesetzt haben.

zwischen 1955 und 1970 galt beim dfb in bezug auf frauen und fussball: “im kampf um den ball verschwindet die weibliche anmut, körper und seele erleiden unweigerlich schaden und das zurschaustellen des körpers verletzt schicklichkeit und anstand.” trotz seitdem legalisiertem frauenfußball hat sich in den köpfen vieler noch nichts geändert.

und dabei haben gerade heute wir eine gute chance, die italiener zu schlagen. eine unbesiegte qualifikation zur em, in 15 pflichtspielen unbesiegt – weltrekord, eine bodenhaftung der deutschen und eine arroganz der italiener (siehe pirlos tor gegen england), die überaus starke psyche der deutschen mannschaft, angefangen vom trainer bis zum letzten ersatzmann, 2006 waren wir höfliche gastgeber, die dem gast den vortritt ließen und das geplänkel um einen verletzten schweinsteiger ist ein prima ablenkungsmanöver.

ich spüre, wie sich meine vorfreude steigert, wie ich im kopfe schon die torschützen hochjubeln lasse, da öffnet sich die schlafzimmertür und heraus tritt meine frau: einen deutschlandbikini an, ein tolles tuch um die hüften und zwei kühle bier in der hand. vielleicht tun wir ihnen ja unrecht und frauen und fussball gehören irgendwie doch zusammen. wenn nur die fragen nicht wären! und wie wird das erst werden, wenn wir ins finale kommen?

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