Meine Fasten Beichte

es ist geschafft. gestern abend war sie vorbei. meine erste “richtige” fastenzeit. ab sofort geht der ernst des lebens wieder los. ich stehe der lebensmittelindustrie als konsument wieder zur verfügung.

aber vieles ist ganz anders gelaufen, als ich gedacht hatte. ammenmärchen haben sich nicht bewahrheitet und nichtvermutetes ist passiert.

deshalb hier im zeitraffer meine 5 vollen fastentage, mein entlastungstag und meine beide aufbautage.

begonnen hatte das ganze schon vor vielen wochen, als ich in einem buchhandel an den regalwänden mit dem stichwort gesundheit vorbeiging. fächer voller schlauer literatur übers fasten. tipps, ernährungspläne, verhaltensregeln, sportanregungen, geheimnisse psychischer erfahrungen und mehr waren da zu finden. “normales” fasten, kirchlich motiviertes fasten, heilfasten, historisches fasten und so weiter. ich hätte mein leben mit lesen des themas verbringen können.

und je mehr an material war, umso mehr sperrte ich mich gegen das fasten. jedes neue buch brachte neue erkenntnisse und neue angst. was würde aus mir werden? wie würde ich mich verändern? kommt es vielleicht sogar zur mutation? ein neuer dr. jekyll und mr. hyde?

mein fasten aber begann damit, dass ich mit freunden in den tagen zuvor noch mal so richtig ausgelassen gefeiert habe. da wurde auf nichts verzichtet und die guten ratschläge und belobigungen stärkten meinen entschluss.

der entlastungstag begann dann gut: ungesüster tee, obst, müsli, rohkostplatte, obstteller. na so kann das weitergehen, dachte ich mir. so schwer ist das ja nun weiß gott nicht. dazu meiner größe entsprechend 3 liter wasser. was nur störte, war das ständige rennen zum klo. ein dauerkartheder hätte das erleichtert. natürlich wurde genügend bewegung an frischer luft geboten, streicheleinheiten gab es ein paar extra und pc und handy blieben aus.

nicht mehr so lustig war es, als es dann am 1. fastentag richtig los ging. am nächsten tag nur tee und glaubersalz mit zitronensaft. vormittags wasser. und mittags? eine gemüsebrühe. schlimm daran war, das es nur die brühe gab und das “dicke” im topf verblieb. na toll, dachte ich, das leckerste bekommst du nicht. und abends dann einen mit wasser verdünnten obstsaft.

nun glaubte ich, das mir eine unruhige nacht bevorstände. von wegen nichts essen und dann nachts an den kühlschrank. hatte mir schon meine extraleisen hausschuhe bereitgestellt – die standen am morgen aber ungenutzt vor dem bett. ich hatte gut geschlafen. na so kann das weitergehen.

also wieder: pfefferminztee, wasser, brühe, obstsaft, wasser. und sonst nichts. mittags gab es eine stunde mittagsschlaf mit leberwickel, um die entgiftung zu forcieren. um 23 uhr ruhig ins bett ohne tv und handy. bedauerlicherweise war aber dann um 2 uhr nachts die selbige zu ende. schmerzen im rücken und aus der nierengegend beendeten jäh meine nachtruhe. also auf die coach, den sessel, die terrasse, ums haus rum. immer in bewegung. der versuch, mich nach einer stunde wieder hinzulegen, wurde mit schmerzen begleitet. o.k. wenn kein schlaf, dann gehört das wohl dazu??!! entgiftungserscheinungen??

erstaunlicherweise machte mir der schlafentzug nichts aus. ich war morgens fit, freute mich auf den tee und die brühe und der toilettendeckel hatte seinen schrecken verloren. der darm entleerte sich, das vorher befürchtete hungergefühl blieb aus, die nahrungsaufnahme reichte aus. und was hatte ich für befürchtigungen bezüglich schwächung meines körpers. nichts von alledem ist eingetreten.

aber ganz viel anderes: ich wurde wesentlich ruhiger, ich konnte die zutaten aus der brühe am geschmack erkennen, dinge in meinem persönlichen umfeld nahm ich viel intensiver wahr. und: meine schmerzen im rechten knie und im iliosakralgelenk verschwanden. und da war es da, das göttliche glücksgefühl, für das ich mit fasten begonnen hatte. ich wollte die schmerzen loswerden, die mich schon so lange quälen und für es anscheinend keine tabletten gab. so habe ich meine wünsche ins fastentagebuch notiert. ich wollte wieder ein stück lebensqualität zurückgewinnen, das mir abhanden gekommen war und – das ist mir gelungen.

ob dabei das eine oder andere pfund auf der strecke geblieben ist, habe ich nicht gemessen. das war mir egal. ich hatte es geschafft, meinen körper und geist wieder in einklang zu bringen. ich habe durch verzicht auf essen, telefon und tv zur innerer reinigung beigetragen. und werde jetzt achtsamer mit der nahrungsaufnahme umgehen, weniger ist mehr.

und – ich werde diese art fasten in mein leben einbauen. die nächsten 6 wochen normales leben, dann wieder eine woche fasten. dann das leben wieder fortsetzen. ich freue mich schon aufs nächste mal. mein leben hat wieder ein großes stück mehr sinn.

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