Der Jakobsweg – eine Reise ins Ich! (Teil 1)

sanft setzt der flieger auf dem flughafen von santiago de compostela auf. lange zeit war er über galicische hügel und wälder geflogen, die trotz der jahreszeit wenig herbstlaub zeigen. auf dem flughafen, wo jährlich 2 millionen touristen anlanden – so auch ich.

irgendetwas hatte mich magisch angezogen. war es der hinweis, das die altstadt von santiago seit 1985 zum weltkulturerbe zählt? war es die lust nach einer lebendigen 100.000 einwohnerstadt und unizentrum in spanien? war es das buch harpe kerkelings “ich bin dann mal weg” aus dem jahre 2001? oder waren es die erzählungen von pilgern, die die pilgerwege seit mehr als 1000 jahren begingen, um in der zeit der wanderung still zu sich selbst zu finden?

von allem etwas. und von nichts wurde ich enttäuscht. die altstadt mit ihren kleinen gassen, die auch bei regen glänzen. die vielen sakralen bauten mit farn und moos an der fassade und in den dachrinnen. die lebenslustigen jungen menschen, die mit studienunterlagen in kleinen gruppen über ihre studieninhalte diskutieren. und dann waren da noch die menschen, die zum großen teil humpelnd und riesigen rucksäcken auf dem rücken durch die stadt streiften.

alle hatten erst einmal ein ziel: das pilgerbüro am ende der ruo do vilar. von aussen eine schmucklose fassade einer ehemaligen barrockresidenz entpuppte sich der innenhof mit seinen weinranken schnell zum treffpunkt der verschiedenen nationen. in der ersten etage gab es dann den begehrten letzten stempel und die compostela, eine urkunde, die seit jahrhunderten dem verliehen wird, der sich dem beschwerlichen weg zu jakobs grab gestellt hatte.

umso lustiger waren dann die begegnungen auf dem platz vor der kathedrale. lachende und weinende menschen liegen sich in den armen und freuen sich, angekommen zu sein. mit allen vieren von sich gestreckt liegt man auf dem boden und schaut in den strahlend blauen himmel. und wenn auch vieles auf dem schweren weg nicht mitgenommen wurde, ein handy oder eine kamera hatte trotzdem platz und bannte die wanderer mit stolz vor der wuchtigen fassade auf chip. aber wer ist eigentlich der jakobus, zu dessen gebeinen die menschen pilgern.

jakobus, einer der drei apostel, die jesus am nächsten standen, reiste nach dessen tod nach hispanien, um von der lebendigkeit von gottes wort zu berichten. die apostelgeschichte berichtet von den ausgedehnten reisen, um die “neue zeit” zu verkündigen. nach seiner rückkehr nach jerusalem hatte könig herodes agrippa i. nichts eiligeres zu tun, als ihn zu köpfen. auf der suche nach einem würdigen begräbnisort brachten ihn dann seine schüler an den ort, der heute santiago de compostela ist. das grab geriet in vergessenheit. die christenverfolgungen, die invasion der barbaren und die mauren im 8. jahrhundert liessen schnell gras über die kleine anlage wachsen und sie verwilderte zusehends. als bischof teodomiro aber von seltsamen ereignissen in seiner region hörte, eilte er dorthin, ließ von der stelle die bäume entfernen und errichtete eine basilika über dem grab, das die gebeine jakobus und seinen ersten jüngern teodoro und atanasio enthielt. zur pflege und zur weiteren verkündigung wurde noch ein benediktinerkloster angebaut. alles so um 847, dem todesjahr teodomiros.

aber was passiert nun im menschen, das er dem jakobus schwört, seine grabstätte zu besuchen und den weg dorthin zu fuß zu begehen? wo geht er nach der begrüßung auf dem kirchvorplatz hin und was macht er in der kathedrale? weiteres in teil 2

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