Hurra, hurra, die Jecken sind wieder da!

alexja, ist denn nun schon wieder karneval? ist schon wieder ein jahr rum? wenn ich das fernsehprogramm richtig deute, dann stecken wir wieder mitten in den närrischen tagen. und woran ich das erkenne? grenznahe dörfchen zu holland finden sich plötzlich mit ihrer sitzung zur besten sendezeit wieder. verschlafene gemeinden aus der hocheifel treffen sich wie alljährlich im dorfkrug. und das wird auch noch übertragen.

nun wird der geneigte leser sagen, ich wäre ein kanevalsmuffel. ich solle mich doch wohinauchimmer scheren. weit gefehlt. ich liebe den karneval. die zeit, in der jecken mundartliches liedgut geträllert wird. wo auf sitzungen ehrenwerte herren dünnbrettige reime reimen. wo vorstandsvorsitzende in cowboy-kostümen durch die gegend laufen, um so ihre traumata der kindheit zu kompensieren.

nein! ich habe nichts gegen karneval. ich finde karneval gut. es ist dabei doch immer so schön lustig. lustig? – werden jetzt einige sagen. lustig ist karneval natürlich nicht. denn ein homosexueller karnevalsprinz zum beispiel geht nicht. ein für alle mal. und beim kölner dreigestirn sollte bauer-prinz-jungfrau natürlich weiß und nicht schwarz sein. und reich sollten sie natürlich sein. von wegen den vielen lokalrunden. und lustig ist das nicht, in den jeweiligen städten schon heute beim ordnungsamt die sessionen 2014 bis 2016 anzumelden. damit die da vom fundus der arbeitslosen beim selbigen amt rechtzeitig putzpersonal beordern können.

und dann der stress. schon wochen vorher wird am kostüm geschneidert. nicht eines von lidl donnerstags vom img_0092non-food-stand. nein. es muss schon was besonderes sein. und pappa beginnt schon zu weihnachten langsam, seinen bierkonsum durch eine flasche täglich mehr zu steigern. nein! lustig ist das nicht.

was machen aber dann die vielen normalen, die am strassenrand mit einem plastikhütchen und einer roten nase fast bis zur unkenntlichkeit verkleidet sind? das ist das wahre karnevalsvolk. das, das bei eiseskälte hofft, von den zu stein gefrorenen karmellen nicht erschlagen zu werden. die normalos, die sich freuen, wenn ein wagen mal wieder mit mehreren tausend phone an ihnen vorzieht und einen tinitus hinterlässt. und die, die nur deshalb da stehen, weil irgendeiner gesagt hat, diesmal werden präservative geworfen. und sind wir doch mal ehrlich, für genau diese menschen ist karneval gemacht. nicht für die profis, die behangen mit mehreren kilos an metallorden sich gerade noch grade halten können.

und deshalb hat gestern genau für dieses karnevalsvolk die närrische zeit gestern begonnen. dem tag der schüchternen und verklemmten männer. dem tag, an dem karl heinz seinen alten schlips aus dem schrank um seinen dicken hals gelegt hat nur, um einer der kussgeilen frauen zu begegnen, die sich dann wild gestikulierend auf ihn warf. ich sehe ihn schon freudetrunken nach hause wanken und planen, welcher schlips 2014 dran glauben muss. was für ein stress. ich bin froh, wenn diese tage wieder vorbei sind und wieder jeder über mein alltagsgesicht lacht. helau und alaaf.

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