Achtsamkeit nach Kabat-Zinn ist mehr als nur zielgerichtete Konzentration

heute morgen war es wieder soweit. ich hatte schlecht geschlafen, wollte mürrisch das frühstück vorbereiten und habe mal wieder alles gleichzeitig machen wollen. kaffeewasser eingießen, tassen bereitstellen und marmelade aus dem kühlschrank holen.wir sind ja so stolz, multi-tasking fähig zu sein. aber dann passierte es: das marmeladenglas entglitt meiner hand und zerbrach auf dem steinboden.

mein stresspegel stieg, meine laune verschlechterte sich zusehends. zum glück erinnerte ich mich an eine technik, die ich vor kurzem in der ard gesehen hatte. da hat jemand vor einem glas wasser gesessen, in zeitlupe seine hand auf das glas zubewegt, es genommen und ebenso langsam zum mund geführt. dabei ging die kamera auf die gesichtszüge, die sich fast unmerklich zu einem lächeln veränderten. nein, das war keine reklame. das war richtiges leben.

was dort praktiziert wurde war achtsamkeitstraining, in der fachsprache ” mindfulness based stress reduction ” (mbsr), genannt. eine form von stressbewältigung für menschen, die im alltag dem bestehenden leistungsdruck nicht mehr stand halten können, die probleme und zukunftsängste mit sich herumschlagen, die den bezug zum hier und jetzt verloren haben.

was wurde angeboten? in meist 8-wöchigen kursen über jeweils 2 1/2 stunden wird mit den teilnehmern eine erhöhung der körperwahrnehmung geschult. dieses geschieht durch den sogenannten bodyscan, einer methode, bei der die teilnehmer ihren gesamten körper mit liebevoller achtsamkeit wahrnehmen.

welche empfindung habe ich beim zuhören?

was läuft in meinem körper ab, wenn ich an tageserfahrungen denke?

welche muskeln spannen sich an und welche verkrampfen zu blockaden?

ab der zweiten woche wird in sitzmeditation die konzentration auf den atem ausgedehnt, zu dem im laufe der zeit die empfindung auf temperatur, geräusche, gedanken und gefühle hinzukommen. der begriff bodyscan umfasst also alle körperlichen erfahrungen. fernöstliche yogaübungen fließen dazu mit ein. dabei ist es nicht wichtig, wie die übungen ausgeführt werden, sondern nur, was ich dabei für eine erfahrung mit meinem körper mache.

für die zeit zwischen den übungsstunden gibt es hausaufgaben: jeder teilnehmer soll einmal am tag für ca. 45 minuten eine alltägliche aufgabe in voller konzentration durchführen und über das erlebte tagebuch führen. die gemachten erfahrungen können in der gruppe ausgetauscht werden und sollen zur stärkung des einzelnen beitragen.diese selbsterfahrungsform stammt aus dem buddhismus und ist mit westlichen wissenschaftlichen theorien abgerundet.

prof. dr. jon kabat-zinn hat anfang der 1970er jahre das achtsamkeitstraining (mbsr) entwickelt, dessen positive wirkung bei der stressbewältigung durch zahlreiche studien in deutschland und den usa nachgewiesen wurde.nun ist die therapie nicht neu. elemente davon finden schon seit langem anwendung in therapeutischen und psychologischen verfahren. denken wir nur an die tanztherapie oder gesprächstherapie. und selbst in der christlichen religion ist die kontemplative haltung seit dem mittelalter bekannt.

was an dieser form anders ist, ist das ziel, das ich erreichen will. es geht bei mbsr nicht darum, ängste oder stress aufzulösen, sondern sich selbst radikal zu akzeptieren. um das zu können, muss man die gedanken erst einmal zulassen, sich ihnen stellen um sie später akzeptieren zu können. im anfang kommt eine erhöhte emotionsdichte dazu. wenn wir das gefühl der abhängigkeit dann ablegen, beginnt der geist, sich zu entspannen. wenn wir uns dann akzeptieren, kommt die veränderung von selbst. und alles ohne jede nebenwirkung und “waschzettel”.

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